„Die 100“ von Kass Morgan ist ein richtig spannender Auftakt in eine dystopische Welt, die mich direkt reingezogen hat. Kass Morgan entführt uns in eine Zukunft, in der das Leben auf der Erde nach einer nuklearen Katastrophe nicht mehr möglich ist. Die Menschheit vegetiert in Raumschiffen vor sich hin, und um zu prüfen, ob die Erde wieder bewohnbar wurde, schicken die Autoritäten hundert jugendliche Straftäter als Testgruppe runter. So steigen wir mitten im Geschehen rein, und es wird sofort klar, dass das kein Spaziergang wird.

Der Schreibstil ist flüssig und abwechslungsreich, weil die Geschichte aus vier Perspektiven erzählt wird: Clarke, die toughe Ärztin, Bellamy, der Rebell, Wells, der loyale Sohn des Kanzlers, und Glass, die clevere Hackerin von oben. Dazu wechseln wir zwischen Gegenwart auf der Erde und kursiv gedruckten Rückblenden in die Vergangenheit, was super clever ist. Man lernt die Charaktere so richtig kennen, versteht ihre Motive und fühlt mit ihnen mit. Die Entwicklung fühlt sich natürlich an, besonders wie Bellamy und Clarke aus anfänglichen Konflikten eine Art Führungsduo werden. Das hat mich emotional gepackt, vor allem die Szenen mit Freundschaft, Verrat und erstem Knistern.
Trotzdem gibt es Lücken, die mich gestört haben. Über die mysteriösen Erd-Clans erfährt man fast nichts, was neugierig macht, aber auch frustriert. Straftäter sind halt keine Heiligen, und die Machtkämpfe untereinander sorgen für ordentlich Drama, Action und Spannung. Kitsch gibt es auch, gerade in den Romanze-Anteilen, was ich mag. Vergesst die TV-Serie, die geht ganz andere Wege und spoilert nichts hier.
Insgesamt hat mich das Buch mit seiner Mischung aus Sci-Fi, Überlebenskampf und Coming-of-Age super unterhalten. Es hat genau den richtigen Drive für einen ersten Band. Deshalb vergebe ich 4 von 5 Sternen: starke Charaktere und Tempo überwiegen, auch wenn mehr Weltbau toll gewesen wäre. Perfekt für Fans von dystopischen Abenteuern!
